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Rheinischer Merkur, 6. Dezember 2007
Der Bonner Politikwissenschaftler hat wie bislang niemand
sonst in Deutschland das Leben der Kanzlerin mit einem scharfen Auge seziert.
Seine Biografie „Angela Merkel. Aufstieg zur Macht“ ist nun in einer zweiten
Auflage erschienen, erweitert um 130 Seiten, auf denen Langguth die ersten
beiden Jahre der Großen Koalition analysiert. Vor der Bundestagswahl noch
wussten die Deutschen nicht so genau, was von dieser CDU-Spitzenkandidatin zu
erwarten ist. Mittlerweile aber hätten sie Vertrauen in Merkel gewonnen, meint
Langguth. Damit nicht genug:Merkel erfüllt mit ihrem moderierenden
Regierungsstil zudem die Sehnsucht einer politikverdrossenen Gesellschaft nach
Sachlichkeit.
Langguth überrascht in dieser mit Fakten gespickten und
präzisen Analyse noch mit anderen Thesen, etwa:Die Große Koalition ist Merkels
Lieblingsbündnis. Generell lässt ihr ausgeprägter Pragmatismus mit nur
schwachen ideologischen Banden zur eigenen Partei fast „jede denkbare
Mehrheitskonstellation“ zu. Aber wenn schon nicht ohne Partner, dann
wenigstens einer, der eine große Mehrheit sichert, weil sich nur so Reformen
durchsetzen lassen. Schwarz-Gelb dürfte dagegen die „von ihr am wenigsten
geliebte Konstellation“ sein, weil der „organisierte soziale Widerstand“ dann
am höchsten ist und die Landesregierungen eine nach der anderen in die Hände
der Opposition fallen könnten.
Da zeigt sich wieder die kühle Analytikerin, die aus dem
Wahldebakel 2005 gelernt hat. Vor zwei Jahren trat sie mit einem mutigen
Reformprogramm an, mit dem sie Wähler verschreckte.
So etwas wird ihr nicht noch einmal passieren. Soll heißen:
Die großen Reformen mit tiefen Einschnitten sind von ihr nicht mehr zu
erwarten. Das könnte Merkel eine lange Regierungszeit bescheren, dem Land
aber, was die Kanzlerin eigentlich bekämpfen wollte: Reformstau.
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