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aus: Börsenblatt des Deutschen Buchhandels, 14. Juli 2005

Objektiver Insider

Gerd Langguth. Er verbindet politische Erfahrung mit wissenschaftlicher Distanz. Der Biograf von Angela Merkel über Glücksfälle und unabhängiges Schreiben.

 

Ihre Angela Merkel Biografie kam genau zur richtigen Zeit. Glück oder Gespür?

Langguth: Ich war mir schon relativ früh sicher, dass Angela Merkel als Kanzlerkandidatin der Union ins Rennen gehen würde. Das allein rechtfertigt schon eine Biografie. Ich musste damals nur noch einen Verlag finden, der fast zwei Jahre vor dem geplanten Erscheinen einer solchen Biografie das Risiko einer Fehlprognose auf sich nimmt. Dass Merkel durch die vorgezogenen Wahlen die Chance hat, jetzt schon Kanzlerin zu werden, ist natürlich ein Glücksfall.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dtv?

Ich arbeite seit einigen Jahren mit Joachim Jessen von der Literary Art Agency Thomas Schlück zusammen, der mir dtv empfahl. Seitdem singe ich das Hohelied dieses Verlags, der außerordentlich professionell arbeitet, ob es um Lektorat, Pressearbeit oder internationale Lizenzen geht.

Aus gegebenem Anlass hat dtv den Erscheinungstermin vorgezogen. Wie sind Sie mit dem Zeitdruck zurechtgekommen?

Langguth: Das Manuskript war  mit Ausnahme weniger Aktualisierungen schon vor der Ankündigung der vorgezogenen Wahlen fertig. Ich war also beim Schreiben nicht zu größerer Eile gezwungen - zumal ich von Anfang an von der Prämisse ausgegangen bin, dass Merkel im Bundestagswahlkampf gegen Schröder antritt.. Es blieb allerdings weniger Zeit für die Korrekturen der Druckfahnen.

Sie saßen im Bundesvorstand der CDU und sind Parteigenosse von Angela Merkel. Kann man da noch neutral analysieren?

Langguth: Mein politisches Engagement ist schon einige Jahre her, was mich als Wissenschaftler zu umso höherer Objektivität verpflichtet – ein Anspruch, den ich auch gegenüber meinen Studenten an der Bonner Universität habe. Die Rezensionen bestätigen meine kritische Distanz. Natürlich bringt meine politische Erfahrung den Vorteil von Insider-Kenntnissen mit sich, die andere so nicht haben können. Es ist aber generell schwierig, jemanden zu beschreiben, den jeder zu kennen meint.

Warum haben Sie dereinst Ihre Politikerkarriere aufgegeben?

Langguth: Alles hat seine Zeit. Ich möchte meine politische Arbeit, etwa als Bundestagsmitglied von 1976 bis 1980, nicht missen. Was mich jedoch in meiner heutigen Aufgabe als akademischer Lehrer und als Biograf reizt, ist die Tatsache, dass ich meine politischen Erfahrungen nun in einer differenzierten und wissenschaftlichen Weise weitergeben kann. Diese Unabhängigkeit hat man in der Politik nicht.

Sie gehen mit dem Buch auch auf Lesereise - Ihr Beitrag zum Wahlkampf?

Langguth: Nein, höchstens ein Beitrag zu einer intellektuellen Auseinandersetzung - und dazu, eine Kandidatin besser kennen  zu lernen.

Interview: Sabrina Gab