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(aus: Schweriner Volkszeitung, ähnlich in Esslinger Zeitung
und Ruhr-Nachrichten,
23. Juni 2005, ferner Nordwest Zeitung, 24. Juni 2005) Merkels HandkantenschlagInterview mit dem Politikwissenschaftler Prof. Gerd LangguthBerlin • Heute stellt der Bonner Politikwissenschaftler Professor Gerd Langguth in Berlin sein neuestes Buch ""Angela Merkel, eine Biografie" (dtv) vor. Wir sprachen vorab mit dem Autor. Sie beschreiben Angela Merkels Weg von der Ost-Bürgerrechtlerin zur Kanzlerkandidatin der Union: Worin besteht ihr Erfolgsrezept? Prof. Langguth: Angela Merkel ist immer unterschätzt worden. Ihr hat man lange keinen strategischen Blick zugetraut. Sie hatte aber stets eine genaue Vorstellung von ihrem jeweils nächsten Schritt. Sie hat ihre politische Karriere von Anfang an genau geplant. Sie hat sehr früh über einen Mittelsmann Kontakt zu Helmut Kohl aufgenommen, damit er auf sie aufmerksam wurde. Nicht Helmut Kohl hat Angela Merkel entdeckt, sondern Merkel hat Kohl erst selbst auf sich aufmerksam gemacht. Die junge Frau aus Ostdeutschland hat sehr schnell die Karrieremuster durchschaut. Sie hat einen ungeheuren Ehrgeiz und wollte schon in der Schule immer die Klassenbeste sein. Sie ist als völlig unbekannte 35-Jährige in die Politik eingestiegen und war nur ein Jahr später Bundesministerin – sozusagen das damalige Aschenputtel der Politik. Auf ihrem Weg nach oben sind nicht wenige ihrer politischen Mitstreiter auf der Strecke geblieben… Prof. Langguth: Die Zahl ihrer Skalps ist enorm. Ob Lothar de Maiziere, Günther Krause, Helmut Kohl, Wolfgang Schäuble – Frau Merkel hat ihre Förderer hinter sich gelassen und manchen mit einem harten Handkantenschlag erledigt. Auch mit Rivalen wie Merz, und Seehofer kennt sie kein Pardon. Sie hat einen sehr langen politischen Atem und weiß, wie man sich durchsetzt. Obwohl Schäuble damals starke Befürworter hatte, ist es Merkel eindrucksvoll gelungen, die Wahl Horst Köhlers zum Bundespräsidenten durchzusetzen. Angela Merkel wird immer wieder mit ihrem politischen Ziehvater Helmut Kohl verglichen. Welche Parallelen sehen Sie zwischen den Beiden? Prof. Langguth: Ihr Führungsstil ist partiell vergleichbar. Ihren unbedingten Willen zur Macht hat sie mit ihm gemein. Ihr rücksichtsloses Vorgehen hat ihr zwar keine Freunde, aber dafür den notwendigen Respekt beschert. Auch Merkel übergeht mitunter die Parteigremien, wenn es der Machtsicherung dient. Beide – Merkel wie Kohl – legen keinen großen Wert auf besonders elegante und tiefgründige Sprache. Allerdings ist Merkel weniger wolkig verklärt. Was sie allerdings unterscheidet: Kohl arbeitete häufig gegen die Medien, Merkel hat von Anfang an mit den Medien gearbeitet. In den letzten zwei Jahren hat sie auch damit begonnen, sich wie Kohl in der Partei und darüber hinaus ein enges Netzwerk zu flechten. Sie wird als Netzwerkerin unterschätzt. Worauf muss sich Gerhard Schröder im Duell mit Angela Merkel einstellen? Prof. Langguth: Es ist schon schwerer, gegen eine Frau Wahlkampf zu machen. Schröder muss sich jetzt stärker vor unbedachten Äußerungen in Acht nehmen. Frau Merkel geht als Naturwissenschaftlerin wissenschaftlich an die Politik heran und ist viel disziplinierter als der Kanzler. Beide pflegen allerdings einen sehr pragmatischen politischen Stil. Das wird eine interessante Auseinandersetzung. Interview: Andreas Herholz | |||||||||||||||||||||||||||||