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Sächsische Zeitung, 17. April 2009

Georg Milbradt nach dem Ausstieg aus der Politik: „Der Entzug funktioniert“

Der Ex-Ministerpräsident von Sachsen über Machtverlust und Freunde in der Politik

Von Karin Schlottmann, Berlin

„Mir geht es im Augenblick ganz gut, der Entzug funktioniert.“ Georg Milbradt ist das Thema nicht angenehm. Aber er hatte gestern die Aufgabe übernommen, das neue Buch des Politologen Gerd Langguth „Kohl, Schröder, Merkel – Machtmenschen“ in Berlin vorzustellen. Da war es klar, dass die Frage, wie der frühere sächsische Ministerpräsident im vorigen Jahr den Verlust der Macht erlebt hat, irgendwann kommen musste.

Wie andere Politiker sei auch er in seiner Amtszeit ein „Politaholic“ gewesen, sagte Milbradt. Das habe für ihn bedeutet, sich von morgens bis abends mit Politik zu beschäftigen. „Man freut sich nicht nur, man ärgert sich auch oft.“ Wer sich in diesem Beruf nebenbei anderen schönen Dingen widmen wolle, sei seine Position schnell wieder los. „Da gibt es einige Beispiele.“

Was er denn über seinen Nachfolger Stanislaw Tillich denke, der kürzlich angedeutet habe, er wolle sein Berufsleben nicht in der Politik beenden? „Über meine Nachfolger rede ich nicht“, lautet Milbradts knapper Kommentar. Wer in die Politik gehe, brauche einen Freund, der im richtigen Moment sagt, wann Schluss ist. Die Bedeutung dieses Ratschlags aus der Anfangszeit seiner Karriere habe er nicht sofort verstanden, fügte er hinzu.

Der Politikwissenschaftler Langguth schreibt: Freiwillige Rücktritte von deutschen Politikern sind äußerst selten. Wer die Macht habe, wolle sie so lange wie möglich festhalten. Andererseits sei politische Gestaltung ohne Macht nicht denkbar. Das Motiv, Politiker zu werden, obwohl die Wirtschaft höher dotierte Jobs biete, sei der Wunsch nach sozialem Aufstieg und gesellschaftlicher Akzeptanz. In dem Buch wird erläutert, warum das auf Helmut Kohl und Gerhard Schröder zutrifft. Aber auch auf Angela Merkel: „Ihr Motiv war nicht die Durchsetzung einer Idee, sie wollte es ihrer Familie, insbesondere ihrem Vater, aber auch den West- wie Ostdeutschen zeigen, dass sie es kann.“ Sie verstehe es besser als ihre Vorgänger, diesen Machtwillen zu verbergen.

Grundüberzeugungen seien – im Vergleich der drei Politiker – allenfalls bei Kohl zu erkennen. Das ermögliche pragmatische Entscheidungen, berge aber auch die Gefahr opportunistischen Verhaltens in sich, kritisierte Milbradt. Der innere Kompass sei am wenigsten bei Merkel zu erkennen, schreibt Langguth. „Sie fährt stets auf Sicht.“ Man könne sicher sein, dass sie bei jeder Entscheidung auch berücksichtige, ob diese ihrer Zukunft als Kanzlerin schade oder nutze.