Startseite
Infos zu meinen Lehrveranstaltungen
Universität Bonn
Archiv (bis 2000)
Foreign Languages
Homepage durchsuchen
Veröffentlichungen
Vortragsthemen
Kontakt
Lebenslauf
 

Rheinischer Merkur, 14. Mai 2009 
 
Alphatiere im Kanzleramt
 

 


Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Angela Merkel – bei allen Gegensätzen haben diese drei Politiker eine große Gemeinsamkeit: Es war ihr unbändiger Wille zur Macht, der sie ins Kanzleramt brachte. Der Begriff „Machtmensch“ hat hierzulande jedoch einen negativen Beigeschmack. Gerd Langguth, Professor für Politische Wissenschaft an der Universität Bonn und regelmäßiger Autor im Rheinischen Merkur, geht in seinem neuen Buch der Frage nach, inwiefern die Kanzlerin und ihre zwei Amtsvorgänger mit dem Begriff „Machtmensch“ fassbar gemacht werden können. Langguth gilt – nicht erst seit seinen erfolgreichen Biografien über Angela Merkel (2005) und Horst Köhler (2007) – als einer der profundesten Kenner der deutschen Politikszene.
 

Er definiert zunächst den Begriff „Machtmensch“: Darunter verstehe man jemanden, „der den Besitz und den Erhalt von Macht als wichtiger ansieht als bestimmte inhaltliche Ziele“, schreibt Langguth. Und weiter: „Machtmenschen sind ichbezogene Persönlichkeiten, die – unter weitgehender Hintanstellung privater und anderer Ziele – mit allen ihren Energien auf den möglichst dauerhaften Erwerb von Macht fixiert sind, die zum Zwecke des Machterhalts tatsächliche wie auch vorgetäuschte Ziele zu nutzen wissen und deutliche Lust an der öffentlichen Macht verspüren.“
 

Im Anschluss daran beschreibt Langguth die Biografien der drei Kanzler-Persönlichkeiten ausführlich: von der Kindheit bis zum Höhepunkt ihrer politischen Macht und – im Falle von Kohl und Schröder – noch darüber hinaus. Die Kohl-Ära hat der Politikwissenschaftler in verschiedenen politischen Funktionen selbst unmittelbar miterlebt, die Schröder-Jahre in zahlreichen Gesprächen unter anderem mit Wolfgang Clement, Otto Schily und Rudolf Scharping aufgearbeitet. Für das Merkel-Kapitel konnte er auf seine Biografie zurückgreifen.
 

Die Lebensläufe und Amtszeiten arbeitet Langguth chronologisch ab: Helmut Kohl verkörpere „die Macht des Geschichtsdeuters“, Gerhard Schröder „die Macht des Aufsteigers“, Angela Merkel „die Macht der Sphinx“. Langguth beschreibt sein Sujet in recht üppigen Details. Weniger Plauderei, mehr Prägnanz – das wünscht man sich gelegentlich. Das Kapitel, in dem er die drei Politiker miteinander in Beziehung setzt, fällt dagegen recht kurz aus. Auf zehn Seiten vergleicht Langguth den Willen zur Macht, die Motivation, die Ideologie, das Verhältnis zur eigenen Partei, den Kanzlerbonus, den Politikstil, den Umgang mit den Medien und den persönlichen Mut der drei.
 

Vor allem in einem „Superwahljahr“ ist dieses Buch lesenswert. Es ist beeindruckend, wie viele Hintergrundinformationen Langguth zu den drei Bundeskanzlern zusammengetragen hat. Die Deskription ist die große Stärke dieses Bandes. Störend sind jedoch einige Ungenauigkeiten. So verwechselt Langguth an mehreren Stellen Prozent mit Prozentpunkten. jb

 
 Gerd Langguth: Kohl, Schröder, Merkel – Machtmenschen. dtv premium, München 2009. 580 Seiten, 18,90 Euro.