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Mannheimer Morgen, 17. April 2009

Politikwissenschaft: Kohl, Schröder und Merkel sind einander ähnlicher, als es scheint - wie ein Buch zeigen soll

Fasziniert von der Macht

Von unserem Korrespondenten Martin Ferber

Berlin. Gegensätzlicher können Menschen eigentlich nicht sein. Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel, die drei Bundeskanzler, die Deutschland seit 1982 regieren, haben auf den ersten Blick nichts miteinander gemeinsam - außer dem Regierungsamt. Dort der konservative Pfälzer mit dem ausgesprochenen Machtinstinkt, da der sozialdemokratische Aufsteiger und Medienliebling aus Niedersachsen, hier schließlich die protestantische Pastorentochter aus der untergegangenen DDR, die als kühle Analystin und als undurchschaubar gilt.

Und doch sind sich die drei ziemlich ähnlich - behauptet der Bonner Politikwissenschaftler und frühere CDU-Politiker Gerd Langguth, ein intimer Kenner vor allem der Union. "Ihnen ist der unbedingte Wille zur Macht gemeinsam", alle drei konnten und können, wenn es um ihre persönliche Macht geht, "mit ziemlicher Härte und Wucht agieren" und dabei "rücksichtslos" sein. Zudem hatten (und haben) sie große Angst vor dem Machtverlust. "Das Ende der öffentlichen Bedeutung wird als politischer Tod empfunden", so Langguth. Kaum an die Macht gelangt, drehe sich alles um die Frage des Machterhalts, um das Ausschalten von Rivalen und das Festklammern an das Amt.

"Machtmenschen" heißt denn auch das neueste Buch des Politologen, der zuvor schon Biografien über Angela Merkel und Horst Köhler veröffentlicht hat. Es wurde gestern in Berlin von dem früheren sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt (CDU) vorgestellt. Die politische Macht, bestätigt Milbradt, übe eine starke Faszination aus, obwohl man als Politiker schlecht bezahlt werde, der Aufstieg anstrengend sei, von Zufällen abhänge und stets die Gefahr des Machtverlustes drohe. Er gibt zu: "Macht kann süchtig machen." Die Parallelen zwischen Kohl, Schröder und Merkel sind nach Ansicht Langguths verblüffend. Alle drei kommen aus einfachen Verhältnissen, sahen die Politik als Chance des sozialen Aufstiegs, räumten auf dem Weg nach oben rücksichtslos Rivalen aus dem Weg, gelten als Generalisten und Pragmatiker. Ein Unterschied existiert (bislang) allerdings: Während Kohl für die Einführung des Euro und Schröder für die Agenda 2010 stehe, habe Merkel bislang dem Land "noch nicht ihren Prägestempel aufgedrückt", so Langguth.