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General-Anzeiger Bonn, 16. April 2009

Der Wille zur Macht

 Was Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel verbindet und unterscheidet. Ein Buch von Gerd Langguth.

von Helmut Herles

Bonn. Er lässt nicht locker: Gerd Langguth, Bonner Professor für Politikwissenschaft, oft gefragter „Talk“-Experte in den Medien und früher selber CDU-Politiker. Heute stellt der frühere sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt im Berliner Haus der Bundespressekonferenz sein jüngstes Buch „Kohl, Schröder, Merkel. Machtmenschen“ vor. Im Mittelpunkt: drei Machtmenschen im Kanzleramt – Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel.

Am Ende formuliert Langguth sogar eine eigene thesenhafte Theorie und Formel der Macht, als sei er ein Einstein der Politologie: „M = Ö x P2“: „Macht (M) gleich Öffentliche Wirkung (Ö) mal Personalbeeinflussung (P) im Quadrat.“ Dabei erliegt er nicht der Versuchung, über den SPD-Politiker Schröder einen Verriss und über die beiden Unionspolitiker eine Heiligenverehrung zu schreiben. Wenn die drei sein Buch lesen sollten, würden sie sich durchschaut, also erkannt, aber auch anerkannt fühlen, denn sie erfüllen jeweils auf ihre Weise die Formel des Professors.

Langguths jüngste Werke haben alle mit dem „Innenleben der Macht“ (so sein Buch über die CDU Kohls im Jahr 2001) zu tun und bezeugen seine biografische Neugier: „Angela Merkel“ (aktualisierte Neuausgabe 2007 bei dtv) und „Horst Köhler“ (2007 bei dtv). Das jüngste Werk über die drei Bundeskanzler, die bei allen Unterschieden der Wille zur Macht verbindet, lebt von der eigenen Zeugenschaft des Autors, aber auch von zahlreichen Gesprächen mit Zeitzeugen. Im Fall des Bundeskanzlers Schröder allein  mit siebzig, darunter Stefan Aust, Manfred Bissinger, Wolfgang Clement, Hans Eichel, Joschka Fischer, Bodo Hombach, Renate Künast und Otto Schily. Was der Professor ohne dankbar erwähnte Assistenz allein nicht hätte schaffen können. Deshalb lernt man neben den drei Hauptgestalten dieser zeitweiligen Simultanbühne auch deren bemerkenswerte Mit- und Gegenspieler wie Oskar Lafontaine besser kennen.

Die drei Machtmenschen werden zutreffend analysiert und beschreibend charakterisiert: Helmut Kohl mit der „Macht des Geschichtsdeuters“, Gerhard Schröder mit der des „Aufsteigers“ und Angela Merkel durchaus nicht schmeichlerisch mit der „Macht der Sphinx“. Wobei Autor  Langguth anerkennt, was sie Gerhard Schröders Reformpolitik verdankt und was der Förderung durch und ihrer streitbaren Emanzipation von Helmut Kohl.

Deshalb handelt sein Werk bei allen Unterschieden dieser drei auch von der Kontinuität der Bundeskanzler, die mit Ausnahme von Ludwig Erhard und nicht so deutlich bei Kurt Georg Kiesinger und Willy Brandt alle „Machtmenschen“ waren und damit die Mach der Macht über die Menschen und damit über sie selbst verkörpern. Daher ist das Buch auch eine Darstellung dessen, was Machtverlust bedeutet.

 Gerd Langguth: „Kohl, Schröder, Merkel. Machtmenschen.“ dtv Premium, München  2009, 580 Seiten, 18,90 Euro