|
|
Deutsche Presse Agentur (dpa), 16. April 2009, 15.48 Uhr Merkel, Schröder und Kohl als Meister der Macht Von Basil Wegener, dpa Berlin (dpa) - Wer sich Eindeutigkeit und Führung von der Politik wünscht, dem könnte ein neues Buch über Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Vorgänger gefallen. Autor Gerd Langguth hält sich nicht mit der Abhängigkeit von komplizierten Strukturen, föderalen und globalen Verflechtungen auf. Er beschreibt Merkel, Gerhard Schröder (SPD) und Helmut Kohl (CDU) als zielstrebig Handelnde der Macht. Ideale geraten an der Spitze der Regierung demnach immer mehr in den Hintergrund. «Je länger jemand an einer Machtposition ist, umso mehr entzieht er sich der eigenen politischen Überzeugung», sagt der Bonner Politikprofessor und ehemalige CDU-Politiker bei der Buchvorstellung in Berlin. Macht könne einen süchtig machen wie Drogen die Junkies, sagt mit einem Lächeln der ehemalige sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) fast genau ein Jahr nach der Verkündung seines eigenen Rücktritt im Zuge der Affäre um die sächsische Landesbank. Der persönliche Antrieb, den anderen die eigene Befähigung zum hohen Amt zu beweisen, verbindet in den Augen Langguths alle drei Kanzler. Kohl sieht er als Geschichtsdeuter, Schröder als Aufsteiger, Merkel als Sphinx, die in der DDR das Verheimlichen ihrer Gefühle gelernt habe. Als Machtmensch wird man dann in den Augen Milbradts immer mehr zum Aussitzer, Auf-Sicht-Fahrer, Moderator: «Ausgeprägter Mut scheint in der Politik nicht nötig oder, noch schärfer, nicht karrierefördernd zu sein.» Überhaupt die Karrieren: Um die geht es in der Bundespolitik anscheinend immer als erstes. Langguth beschreibt den Aufstieg der Politiker als zielgerichtet und systematisch. Die Unions-Fraktion diente Kohl als Unterbau, als Netzwerk der Macht. Befreundete Journalisten waren Schröder, so der Autor, behilflich, sich systematisch gegen Oskar Lafontaine als Kanzlerkandidat durchzusetzen. Merkel zeichnen für Langguth Mut in entscheidenden Situationen, Konsensorientierung und geschickter Umgang mit den Medien aus. In der politischen Philosophie ist die Bestimmung von Macht, Herrschaft und Gewalt Ausgangspunkt des Nachdenkens über das Gemeinwesen überhaupt. So geht es hier darum, wie Macht und Demokratie vereinbar sind, wie Macht aussehen kann, so dass es keine Gewalt gibt. Langguth lässt seine faktenreiche Nacherzählung der Herkunft und der Regierungsjahre seiner drei Protagonisten dagegen in eine knappe Formel münden. Die Formel der Macht ist für ihn «M = Ö x P²». Mächtige können demnach durch ihre Prägekraft in den Medien Öffentlichkeit schaffen (Ö-Faktor) und über Personen und Karrieren in Politik und Behörden entscheiden (P-Faktor), wobei letzteres viel stärker gewichtet ist (deswegen P hoch zwei). Bedeutende Beschlüsse zählen laut Langguth wohl nicht zwingend zum Machterhalt. Kohl steht in seinen Augen zwar für den Euro, Schröder für die Reform-Agenda 2010 - Angela Merkel hingegen könnte vielleicht einmal für die Abwrackprämie stehen, deutet der Autor einer früheren Merkel-Biografie scheinbar ein bisschen enttäuscht an. «Sie hat bisher noch keine vergleichbare Agenda-2010-Entscheidung getroffen.» (Gerd Langguth: Kohl, Schröder, Merkel - Machtmenschen Deutscher Taschenbuch Verlag, München 577 S., Euro: 18,90 ISBN 978-3-423-24731-3) | |||||||||||||||||||||||||||||