|
|
Financial Times Deutschland, vom 17. April 2009 Kohl + Schröder = Merkel von Falk Heunemann Alles ganz einfach - oder doch nicht? Wie ein Politologe zu erklären versucht, warum Kohl, Schröder und Merkel Kanzler wurden. Ein Fazit: Mut scheint nicht karrierefördernd. Die Sphinx, heißt es in einer Kurzgeschichte von Edgar Allen Poe, ist ein riesiges Ungeheuer mit Flügeln, das ständig Unheil verkündet. Als der Held der Geschichte aber seine Furcht überwindet und es genauer betrachtet, erkennt er es als harmlose optische Täuschung. Vielleicht hat Gerd Langguth ja an diese rätselhafte Figur gedacht, dass er Angela Merkel so nennt. Vielleicht aber auch nur an den grauen Schmetterling mit dem robusten Körper der Gattung Sphinx. "Die Macht der Sphinx" hat der Politikwissenschaftler den Abschnitt über die Kanzlerin in seinem Buch "Machtmenschen" genannt. Die anderen gelten ihren Vorgängern Helmut Kohl und Gerhard Schröder. Die Dreifach-Biografie will erklären, ob es etwas Gemeinsames zwischen ihnen gibt. Die meisten Seiten widmet er dabei dem SPD-Kanzler Schröder, "dem Aufsteiger" vom sozialen Rand, der in seinen Entscheidungen mitunter alles auf eine Karte setzte, wie beim Neuwahl-Beschluss 2005. "Seine Biografie ist viel interessanter, als ich dachte", findet der einstige CDU-Politiker. Helmut Kohl nennt er einen "Geschichtsdeuter", der sich ständig in der Historie verortet und gern Entscheidungen aussaß. Und Merkel? "Sie ist eine Mischung aus beiden." Über sie hat er am wenigsten geschrieben. Sie sei so undurchsichtig, sagt der Autor - eine Sphinx eben. "Man weiß nicht, was ihr Kompass ist, sie fährt immer nur auf Sicht." Sie verberge ihre Gefühle extrem und gehe kein Risiko ein. "Mut scheint nicht karrierefördernd." Machtwillen, Härte gegenüber ihren Gegnern und vor allem flexibles, ideologiefreies Entscheiden: Das sei allen drei gemeinsam, resümiert der Autor. Dem Mann neben ihm ist das jedoch zu wenig. "Der Mensch braucht inhaltliche Orientierung", sagt Georg Milbradt, der frühere CDU-Ministerpräsident von Sachsen "Man muss auch mal erklären, warum man Banken hilft und warum Opel nicht." | |||||||||||||||||||||||||||||